Archiv für September 2009

03.10. Jetzt schlägt’s 13 Vol.2

Wir unterstützen den nachfolgenden Aufruf der Antifa NMS:

Jetzt schlägt’s 13 Vol. 2

Wie sich herausstellte, fand der Club 88-Geburtstag nicht am vergangenen Wochenende statt, als über 600 Menschen für die Schließung des Nazitreffs in Neumünster-Gadeland demonstrierten, sondern wird am kommenden Samstag, 3.10.09 stattfinden.

Wir wollen dieses menschenverachtende Fest nicht unkommentiert stehen lassen und veranstalten an dem Tag um 15 Uhr eine Kundgebung auf dem
Konrad-Adenauer-Platz (am Hauptbahnhof Neumünster), um nochmals die Schließung des Club 88 zu fordern.

Diese Feier, aber auch der Club 88 selbst ist ein wichtiger Bestandteil der bundesweiten Naziszene. Der jetzt schon seit 13 Jahren bestehende
Nazitreff bietet der deutschen Naziszene eine in dieser Form einmalige Austausch- und Koordinierungsmöglichkeit.

Wir wollen den Nazis den Geburtstag madig machen und ihnen nicht die Stadt überlassen!!

Den Nazis die Geburtstagskerzen auspusten! Kommt zur antifaschistischen Kundgebung am 3.10.09 um 15 Uhr

Konrad-Adenauer-Platz (am Hauptbahnhof NMS)

Antifa Neumünster

Interview mit Neonazi-Aussteiger Frank Försterling Online

Anfang 2009 stieg der ehemalige Hamburger Neonazi Frank Försterling nach einer fünfjährigen “Karriere” in der Hamburger Szene aus der selbigen aus. Er wandte sich hierfür an Hamburger Antifastrukturen, welche ihn seitdem bei seinem Ausstieg begleiten. In den letzten Wochen gab es mehrfach Veröffentlichungen in überregionalen bürgerlichen Medien zum Thema, seit heute ist nun ein 31seitiges Interview mit Försterling online.

2004 kam Frank über eine zufällige Begegnung in Kontakt mit der organisierten Nazi-Szene in Hamburg-Harburg. Nazi-Musik hörte er, wie viele andere Jugendliche schon vorher. Damals, mit 17 Jahren fühlte er sich aber das erste Mal mit seiner Meinung akzeptiert. Allerdings schloss er sich der Szene nicht nur wegen der Kameradschaft an, sondern, weil er auch schon „ ein ansatzweise vorhandenes nationalistisches Weltbild“ hatte. An einem 20. April (Hitler´s Geburtstag) trat Försterling dann der NPD in einem Bierzelt auf dem Hamburger Dom bei, „so ein riesiges Bierzelt, wo es damals noch einen ersten Stock gab und da saßen immer ganz viele Naziskins.“
Und hier machte er schnell Karriere: Er hatte Abitur, galt als zuverlässig und pflegte eher ein gewisses „Understatement“ – er wurde Jugendbeauftragter der Nazi-Partei in Hamburg-Harburg. Auch der Kurs der damaligen neuen und ersten weiblichen Landesvorsitzenden der NPD, Anja Zysk gefiel Försterling: „ Als Anja Zysk dann Landesvorsitzende war bin ich eingetreten, um sie zu unterstützen.“ Unter Zysk wurde der hiesige Landesverband der NPD durch den Eintritt von Freien Kameradschaftern von einer Altherrenpartei in „ein Haufen von aktiven Neonazis, also wirklich Nationalsozialisten“ transformiert.
Bezüglich des Hamburger Landsverbandes werde allerdings die Rolle des Landesvorsitzenden Jürgen Rieger eher überschätzt, er sei nur eine Galionsfigur, ansonsten fände die Koordinierung der Parteiarbeit „in Bramfeld statt bei Jan-Steffen Holthusen. Der ist eigentlich so der Chefe.“. Dieser soll sich intern als SA-Mann bezeichnet haben und betreibe mit entsprechender Pflichterfüllung nationalsozialistische Politik im Hamburger Landesverband.
Und der Kopf des „Aktionsbüro Norddeutschland“, Tobias Thiessen stehe zum Führer Adolf Hitler, weiß Försterling zu berichten, „es darf nicht konträr zur NSDAP Politik laufen, das was er von sich gibt.“
Allerdings seien die Kader der Hamburger Szene sehr geschickt, jedes Flugblatt, jeder Internetauftritt werde von Rechtsanwälten geprüft. Dies geschehe um den Status Quo zu erhalten und Strukturen oder Kader nicht zu gefährden. So sei es auch zu erklären, dass ein Nazikader „keine ‚unsicheren’ Straftaten begeht, sagen wir es mal so; sich gesetzlich im sicheren Bereich zu bewegen, das ist für die sehr, sehr wichtig.“ Straffällig würden eher die Mitläufer, die „typische Ostglatze.“
Bei internen Veranstaltungen werde jedoch der Holocaust geleugnet oder Vernichtungsfantasien nachgegangen. Auch Jürgen Rieger beteilige sich daran, über eine Veranstaltung mit dem Landesvorsitzenden sagt Försterling: „Ich hab mal ne Strichliste geführt wie viele strafbare Äußerungen er da von sich gegeben hat, das waren auf jeden Fall mehr als 20.“
Aber auch die Einschätzung von Försterling bezüglich von Nazi-Gegnern und Polizei sind interessant. Was Outing für Nazikader bedeuten kann, erfuhr Försterling am eigenen Leib, er verlor vor ein paar Jahren seinen Job. Die Öffentlichmachung von führenden Neonazis, verunsichere diese, schädige sie finanziell, und hindere sie auch in ihrer politischen Arbeit.
Die Polizei hingegen sei bei bestimmten Aufmärschen, z.B. von Christian Worch, fester Bestandteil des Konzeptes und ohne diese nicht denkbar und auch nicht medienwirksam. Worch verlässt „sich natürlich voll und ganz auf Polizeischutz. Hundertprozentig, dass ist definitiv mit in der Kalkulation mit drin.“
Doch auch antifaschistische Gegenwehr, habe nicht immer den Effekt, der von Antifa-Gruppen beabsichtigt sei. Die Aussicht auf Randale könne auch mobilisierend auf z.B. rechte Hooligan-Gruppen wirken. „Das hat man im Osten sehr, sehr oft, dass auf einmal auf Demos solche Schränke auftauchen, mit Goldketten, die mit Politik so ziemlich gar nichts am Hut haben, aber sich einfach prügeln wollen.“
Heute ist Frank Försterling 23 Jahre alt und will von seinen ehemaligen Kameraden nichts mehr wissen. Er betrachtet diesen Abschnitt seines Lebens als „verschwendete Zeit.“ Es sei doch egal wo ein Mensch herkommt der in Deutschland lebt. „Mir ist wichtig, dass es allen Menschen gut geht.“ Dass Försterling seine Nazi-Biografie und sein Wissen über die (Hamburger) Szene nun öffentlich gemacht hat, wird ihm sicher noch weitere Anfeindungen seiner ehemaligen Kameraden einbringen.
Auch in dieser Hinsicht ist das ausführliche Interview mit ihm eine Besonderheit. Er sprach explizit mit antifaschistisch engagierten Menschen nach seinem Ausstieg und nicht mit Verfassungsschutz und Polizei.

Wir möchten darauf hinweisen, dass es sich bei diesem Interview um ein von Antifas arrangiertes Gespräch mit verschiedenen Journalisten handelt, nicht etwa um das “Erstgespräch”.

Dieses Interview fand im September 2009 statt

Klick zum Interview
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Antifainfo.de

26.09. Neumünster – Jetzt schlägt’s 13…

Antifaschistische Demonstration am 26.09.09 in Neumünster. 15 Uhr Bahnhof NMS.
Wir unterstützen den nachfolgenden Aufruf der AntifaschistInnen aus Neumünster und wünschen uns ein zahlreiches erscheinen.

Mit dem Club 88 (die Zahl 88 steht im gebräuchlichen Code der Naziszene für „Heil Hitler“, abgeleitet von dem H als achten Buchstabe im Alphabet) besteht im Neumünsteraner Stadtteil Gadeland eine ausschließlich von und für Nazis betriebene Lokalität, die in dieser Form wohl einmalig in ganz Deutschland ist. Das schwarz gestrichene Gebäude in der Kummerfelderstraße ist für die Nazis überregional von großer Bedeutung, um sich ungestört und regelmäßig treffen zu können, sei es nach und vor Demonstrationen, zu Konzerten und Liederabenden oder den normalen Öffnungszeiten an jedem Wochenende. Auf einschlägigen Internetseiten, Weblogs und Foren wird bundesweit für den Club 88 Werbung gemacht, sowie zur Unterstützung dieser „nationalen Struktur“ aufgerufen. Jährlich zwischen Ende September und Anfang Oktober feiert der Club 88 sein Bestehen. Zu diesem Anlass kamen regelmäßig zwischen 250 und 500 Nazis nach Neumünster (im Jahre 2002 waren es sogar rund 700 FaschistInnen, die den Club-Geburtstag gleich mit einem ganzen Konzert auf einem Gelände in der Wrangelstraße feierten). Zwar ist der Geburtstag des Club 88 der konkrete Anlass für die geplante antifaschistische Demonstration, jedoch bietet diese Lokalität nicht allein durch ihre alljährlichen “Geburtstagsfeiern” genug Grund für breite Proteste, denn mit dem Club 88 verfügt die Naziszene in Neumünster über eine Struktur, die für alle antifaschistisch und demokratisch gesinnten Menschen eine Bedrohung darstellt. Die Neumünsteraner Naziszene hat mit dem Club 88 seit 13 Jahren einen Treffpunkt, in dem sich ihre Anhänger ungestört und trotzdem “offiziell”, also nicht heimlich oder privat, sondern völlig offen treffen und zum Nationalsozialismus bekennen können. Der Club “Heil Hitler” steht seit 13 Jahren völlig ungestört gegenüber einer Schule mitten in einem Wohngebiet, als wäre dies das Normalste der Welt und als hätte es die in der NS-Zeit verübten Verbrechen nie gegeben. Das Ergebnis aus 13 Jahren Club 88 kann man sich mit einem Blick auf die Verhältnisse heute in Neumünster ansehen. Neumünster verfügt wie kaum eine andere Stadt in Schleswig-Holstein sowohl über eine organisierte Naziszene als auch über eine rechtsextreme “Alltagskultur”. In Neumünster brauchen Nazis nicht erst über Infotische, Aufmärsche oder dergleichen versuchen, Akzeptanz in der Mitte der Gesellschaft zu finden, sie sind längst da, in einigen Sportvereinen, in Kneipen, auf Stadtfesten etc. Dass gleichzeitig öffentlichkeitswirksame Aktionen nicht oder kaum stattfanden, erschwerte es AntifaschistInnen in Neumünster über Jahre, das Thema öffentlich zu problematisieren.
Eines der offensichtlichsten Ergebnisse dieser Akzeptanz von Nazis ist die Kneipe Titanic in der Friedrichstraße, die mittlerweile neben dem Club 88 als zweiter Nazitreffpunkt in Neumünster fungiert. Dies geschieht immer offener, so wurde im vergangenen Jahr der Geburtstag des Club 88 mit rechtsextremen Liedermachern am Abend in die Titanic verlegt. Dies geschah, um den Auflagen, welche die Stadt für den Club-Geburtstag erlassen hatte, kurzfristig zu entgehen, und spricht für die enge Zusammenarbeit von Titanic-Betreibern und Nazis aus dem Club 88. Neben “ungeplanten” Gewalttaten, die ein so großes Potenzial von Rechtsextremen in der Stadt hervorbringt, gab es seit Anfang 2009 ausgehend von der sogenannten “Aktionsgruppe Neumünster” auch eine Reihe organisierter Gewalttaten. Auch ist zu befürchten, dass die NPD, vermutlich unterstützt von der Teils ebenfalls in der NPD organisierten “Aktionsgruppe Neumünster”, einen großangelegten Wahlkampf zur Landtagswahl am 27.9.09 in Neumünster plant, da die NPD hier 2005 ein überdurchschnittlich hohes Wahlergebnis erzielte.
Genügend Gründe also für eine breit angelegte Demonstration am 26.9.09. Wir werden in diesem Jahr, im Unterschied zu den Demonstrationen der beiden letzten Jahre, direkt in Gadeland demonstrieren. Dabei gehen wir auch in diesem Jahr nicht davon aus, den Club-Geburtstag vollständig verhindern zu können. Es ist jedoch mit den beiden Demonstrationen 2007 und 2008 gelungen, den Club-Geburtstag wieder öffentlich zu problematisieren, den Nazis wurde nicht die Innenstadt überlassen und nicht zuletzt durch die Proteste gab es strenge Auflagen für die Nazifeiern. Daran gilt es anzuknüpfen, da es das erklärte Ziel seit der ersten Demonstration ist, irgendwann die Nazifeiern vollständig verhindern zu können, z.B. weil sich mehrere tausend DemonstrantInnen über Stunden in Gadeland aufhalten werden. In diesem Jahr wird es eine ausführliche Kundgebung in Gadeland mit Musikprogramm geben, um der Nazifeier ein Stück antifaschistischer Kultur entgegenzuhalten. Danach wird die Demonstration wieder zurück in die Innenstadt führen. Am Rande des am selben Abend stattfindenden Klosterrock-Festivals wird es wie bereits im Vorjahr einen antifaschistischen Infopunkt geben. Beteiligen Sie sich an der Demonstration gegen den Club-Geburtstag, gegen den Club 88 als Ganzes, gegen Nazigewalt und auch, um einen Tag vor der Landtags- und Bundestagswahl ein deutliches Zeichen gegen die Wahl der NPD zu setzen. Für den Fall, dass der Clubgeburtstag an einem anderen Tag stattfinden sollte, wird es auch dann Proteste geben. Ort und Zeit werden rechtzeitig bekanntgegeben.

weitere Infos: www.club88-schliessen.tk